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Blaue Augen

Berliner Kunstberichte
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Welt im Taumel

Sonnabend, 11. August 2007

Henrik Schrat: Butter Fly, 2006
Henrik Schrat, Butter Fly, 2006
Alle Rechte vorbehalten: Henrik Schrat

Fliegende Brathähnchen, maschinengewehrbewehrte Pensionisten, Mercedessterne im Märchenwald. Henrik Schrat präsentiert auf seiner Website seine pointierten, von Beardsley, Biedermeier und Comic locker inspirierten Arbeiten seit 1997. Die digitale Fassung tut dem Witz und der Schärfe der schwarz gefassten Sperrholzarbeiten keinen Abbruch, im Gegenteil. Ein Besuch der Website ist ebenso informativ wie unterhaltsam.

Svenja Moor
Kategorie: Schöne Seiten | Kommentieren

Zeitenwechsel

Sonntag, 15. Juli 2007

Interior 06

Marleen Sleeuwits, Interior 06, C-Print, Edition 5+1AP, 85×115 cm
Alle Rechte vorbehalten: Die Künstlerin

Unter dem Titel „Dutch Mountains at Dawn“ zeigt die Galerie Kunstagenten in ihren neuen Räumlichkeiten in der Linienstraße junge Kunst aus den Niederlanden. Vor drei Monaten entschlossen sich die Galerieleiter Stefanie Feldbusch und Andreas Wiesner aus der Reinhardtstraße an diesen Ort umzuziehen und sind begeistert und überrascht von den vielen Besuchern, die hier den Weg in die Galerie finden. „Für den Start“, sagt Stefanie Feldbusch, „war die Reinhardtstraße genau richtig, denn dort konnte man etwas abseits des Trubels den eigenen Standpunkt entwickeln.“ Dies ist mit Künstlern wie Torsten Brinkmann im Programm – um nur ein Beispiel zu nennen – sehr gut gelungen. „Jetzt allerdings“, meint Feldbusch, „war der Zeitpunkt gekommen, um die große Bühne zu betreten.“ (more…)

Petra Henninger
Kategorie: Ausstellungen | Kommentieren

Neu: Galerie Birgit Ostermeier

Sonnabend, 2. Juni 2007

Die Stadt ist um einen Ort für zeitgenössische Kunst reicher. Wir stellten fünf Fragen an die Galeristin Birgit Ostermeier.

Galerie Birgit Ostermeier aus der Vogelperspektive
Fenster zum Hof: In der dritten Durchfahrt des Hauses 196 befindet sich die Galerie

1. Welche Ziele verfolgt Galerie Birgit Ostermeier?
Die Präsentation junger Kunst mit dem Schwerpunkt Skulptur. In diesem Jahr kommt außerdem ein junger polnischer Maler, Roman Lipski, ins Programm, es gibt eine Ausstellung mit dem Klangkünstler Shingo Inao und eine Gruppenausstellung junger mexikanischer Kunst.

2. Ist Galerie Birgit Ostermeier eine Galerie, ein Projektraum, eine Produzentengalerie, oder…?
Eine Galerie.

3. Warum jetzt und warum hier?
Wie die meisten wissen, haben wir vor zwei Jahren in der Brunnenstraße mit Diskus, einer Produzentengalerie für junge Skulptur aus Dresden begonnen. Der Erfolg hat die Künstler und mich bestätigt, jetzt und hier mit einem stärker international ausgerichteten Programm weiter zu machen.

4. Eine Website, die Sie besonders gern besuchen?
www.artnews.info

5. Ihr schönstes Berlin-Erlebnis?
Heute Morgen hat eine Frau mit wunderbarer Stimme an der Tramhaltestelle gesungen. Das war heute mein schönstes Berlin-Erlebnis und ist beispielhaft dafür, dass das Leben in Berlin jeden Tag schöne Erlebnisse bereit hält.

~~
Galerie Birgit Ostermeier, Brunnenstr. 10, Hof, 10119 Berlin; aktuelle Ausstellung: Christian Korth, noch bis 23.6.07

Blaue Augen
Kategorie: Neu | Kommentieren

Äpfel für Birnen? Der blueOrange wird blauOrange, kleiner und nationaler

Montag, 21. Mai 2007

Schimmlige Orange
Originalbild: diddi, Bearbeitung: Svenja Moor

Gerade einmal zweimal wurde er vergeben: der „blueOrange“, der „höchstdotierte Preis für bildende Kunst in Deutschland“. 77.000 Euro Preisgeld, davon 70.000 Euro in die Taschen des Preisträges (2004 war dies Francis Alÿs, 2006 Gabriel Orozco) und 7.000 in Form eines Nachwuchspreises an einen vom Preisträger bestimmten weiteren Künstler.

Reichte die damit eingeheimste mediale Aufmerksamkeit, um sich nunmehr mit einer etwas kleineren Ausgabe zu bescheiden? Ein bisschen schwer fällt es einem schon, der Argumentation der Auslober, der Volks- und Raiffeisenbanken zu folgen und die Vorteile des neuaufgelegten, nunmehr „blauOrange“ genannten Preises zu erkennen: Zwar soll er jetzt jährlich vergeben werden, aber das auf 10.000 Euro abgesenkte Preisgeld verweist ihn aus den Top Ten der internationalen Kunstpreise ins unüberschaubare Dickicht der in Deutschland jährlich vergebenen Unternehmens-Kunstpreise.

Statt an blühende Orangen denkt man da eher an Fallobst. Was auch immer den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben hat, eins ist sicher: eine Erfolgsmeldung klingt anders.

Svenja Moor
Kategorie: Nicht kategorisiert | Kommentieren

Aufwachen in einem fremden Universum

Dienstag, 8. Mai 2007

Versteck, 2006, Installationsansicht. Alle Rechte vorbehalten: Die Künstlerin
Veronika Veit, Versteck, 2006, Installationsansicht.
Alle Rechte vorbehalten: Die Künstlerin

Am vergangenen Samstag ging die Ausstellung Wake-Up Call zu Ende, die bereits die zweite Einzelausstellung ist, die Upstairs Berlin für Veronika Veit ausrichtete und die sechs neue Werke umfasste.

Verschiedene Sounds füllen den Raum und gehen Hand in Hand mit einer Strategie der Verschiebungen, mit der Veronika Veit auf unterschiedlichen Ebenen in den Raum eingreift, sei es durch die Miniaturisierung des von ihr verwendeten Personals oder durch Treppen, die offensichtlich nirgendwohin führen.

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Petra Henninger
Kategorie: Ausstellungen | Kommentieren

Einfach losrollen oder: Der heitere Sisyphos

Dienstag, 8. Mai 2007

Erika Arzt & Juan Linares:Aber wie soll das gehen, an nichts zu denken?, 2007, Videostill
Erika Arzt & Juan Linares: „Aber wie soll das gehen, an nichts zu denken?“, 2007, Videostill
Alle Rechte vorbehalten: Die Künstler

Ein großer Ball aus durchsichtigem Kunststoff rollt, begleitet und angetrieben von einer Kinderschar, die Straße eines schäbigen Wohnviertels hinab. Es herrscht eine heitere und ausgelassene, von der Lebendigkeit der Kinder und der Neugier der am Straßenrand versammelten Erwachsenen geprägte Stimmung, die sich unmittelbar auf den Zuschauer überträgt. Die Welt hinter der durchsichtigen Membran des Balls, der tatsächlich die Leichtigkeit einer Seifenblase besitzt, erscheint milde und auf fröhliche Weise aus dem Lot gebracht.

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Svenja Moor
Kategorie: Ausstellungen | Kommentieren

Der begehbare Film. Fassbinder: Berlin-Alexanderplatz – Eine Ausstellung

Montag, 16. April 2007

Installationsansicht Fassbinder
KW Institute for Contemporary Art, Berlin
Fassbinder: Berlin Alexanderplatz – Eine Ausstellung (18.03. – 13.05.2007), Installationsansicht
Foto: Uwe Walter

Mit der aufwändigen Restauration von Rainer Werner Fassbinders Film „Berlin Alexanderplatz” ist ein Meilenstein der Filmgeschichte wieder zugänglich. Kurz nachdem die restaurierte Fassung, die auf Initiative der Fassbinder Foundation und mit Unterstützung der Bundeskulturstiftung möglich geworden war, auf der diesjährigen Berlinale im Rahmen unterschiedlicher Veranstaltungen gezeigt wurde, präsentieren nun die KW das Werk in einer ganz speziellen Weise noch bis zum 13. Mai 2007.

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Petra Henninger
Kategorie: Ausstellungen | 3 Kommentare

Blüten, die der Kunstmarkt treibt

Dienstag, 20. März 2007

Veilchen

Gern bespiegeln sich der Kunstmarkt und die für sein reibungsloses Funktionieren nötigen Organe selbst. Was dabei herauskommen kann, zeigt ein im September 2006 bei Knesebeck erschienener, reich bebildeter Katalog mit dem Titel „Kunst Station Berlin“. Die Texte darin stammen von Mark Gisbourne, die Fotos von Jim Rakete und Klaus Biesenbach lieferte das Vorwort. In der Art eines Hochglanzmagazins aufgemacht stellt der Band „emerging artists“ aus Berlin vor. Natürlich fehlt in den wenigsten Fällen der Verweis auf die Galerien, die den jeweiligen Künstler vertreten. Ein Buch für echte Kunstliebhaber also, denn der Bildband liefert zum neu erworbenen Kunstwerk gewissermaßen die Homestory mit Bildstrecke: ein paar putzige Fotos aus dem echten Künstlerleben, großformatige Portraits zum Beispiel von Cornelia Renz, Martin Eder, Jonathan Meese oder Norbert Bisky teilweise vor den immer wieder gern gezeigten und mittlerweile weltbekannten, bröckelnden Berliner Fassaden. Ganz in diesem Sinne werden im Vorwort alle bekannten Klischees von der aufstrebenden Kunststadt Berlin referiert, wie das von den billigen Ateliers und dem unkonventionellen Berliner Leben.

Damit gestattet das Werk einen eindrucksvollen, wenn auch entlarvenden Blick auf die allgegenwärtigen Mechanismen des Kunstmarktes. Die Liste der vorgestellten Künstlerinnen und Künstler birgt demgemäß auch kaum Überraschungen.

Mark Gisbourne/Ulf Meyer zu Küingsdorf/Jim Rakete: Kunst Station Berlin, Knesebeck Verlag, 35 €

Petra Henninger
Kategorie: Geblättert & gelesen | Kommentieren

Sexwork III: Klischees und Wirklichkeiten im Haus am Kleistpark

Donnerstag, 1. März 2007

Judith Siegmund Fremde Freier 2004
Judith Siegmund: Fremde Freier, 2004, Video.
Alle Rechte vorbehalten: Die Künstlerin.

Mit dem Verhältnis von „Klischees und Wirklichkeiten“ befasst sich der dritte Ausstellungsteil von „Sexwork“ im Haus am Kleistpark. Das umfangreiche Informationsmaterial, das die Ausstellung begleitet, reflektiert die Realität sowie das öffentliche Bild derer, die ihren Lebensunterhalt in der gesellschaftlichen Grauzone verdienen. Auf theoretisch anspruchsvollem Niveau werden darin neue Sichtweisen auf ein altes, von Metaphern und Vorurteilen verstelltes Thema eröffnet. Die Motivation der Freier wird ebenso untersucht wie die juristische Situation der Prostitution in Europa, die Frage nach einem neuen Massensextourismus sowie der Zusammenhang von Prostitution und nationaler Ökonomie. Die Arbeiten innerhalb der Ausstellung führen die Untersuchung dieser Themen fort. Es ist das erklärte Ziel der Kuratorinnen und Kuratoren, „Darstellungsweisen zu präsentieren und zu untersuchen, welche die gängigen Klischees von Viktimisierung und Mystifizierung von Prostituierten vermeiden und voyeuristische Betrachtungsweisen in Frage stellen.“[1]

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Saskia Pütz
Kategorie: Ausstellungen | Kommentieren

Geschüttelt, nicht gerührt

Mittwoch, 28. Februar 2007

Eine kleine feine Ausstellung ist derzeit in der Galerie Barbara Thumm zu sehen. Bettina Allamoda hat vier weitere Künstler eingeladen, deren übergeordnetes Thema Verwertungsstrategien sind. „Shake Your Money Maker“ ist nicht nur der Titel von Allamodas achtteiliger „Flipchart Series“, sondern auch der gesamten Präsentation mit Beiträgen von Olaf Nicolai, Jens Haaning und Helmut & Johanna Kandl.

Helmut & Johann Kandl: Everyone wants to be fed
Helmut & Johanna Kandl: Everyone wants to be fed, 2007, Video/DVD
Alle Rechte vorbehalten: Die Künstler/Galerie Barbara Thumm

Von Georg Simmel stammt der scharfsinnige Satz „Indem man mit Geld bezahlt hat, ist man mit jeder Sache am gründlichsten fertig (…)“. Wenn der Kauf das Ende der Verwertungs- und der Deutungskette markiert, kann die künstlerische Adaption die Rückführung in den Diskurs um die Bedeutung leisten. Welche Möglichkeiten sich dadurch bieten, zeigt die Ausstellung exemplarisch.

Svenja Moor
Kategorie: Augenblick | Kommentieren
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